Jeden Tag leben!

Vor drei Monaten knallte unser Leben mit hunder Sachen auf Dasjenige eines Selbstmörders. Für uns ist der Tag damals auf der Autobahn in Deutschland zum Anlass geworden jeden Tag noch intensiver zu leben. Denn wir haben nur das Hier und Jetzt.

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„Oh Scheisse!“, ist alles was Dylan sagen kann. Wie ich aufblicke sehe ich nur noch ein Auto seitwärts auf uns zu fliegen. Ein unglaublich lautes Krachen folgt und dann das pure Chaos. Im Kopf und auf der Strasse.

Wie durch ein Wunder können wir beide praktisch unverletzt aussteigen, ich kann zwar mein rechts Bein nicht belasten, aber egal ­ wir sind am Leben! Weiter vorne beginnt ein total zerquetschtes Auto zu qualmen. Dylan rennt hin und zieht die Beifahrerin heraus. Ich atme schwer, sitze auf der Leitplanke und versuche zu verstehen was passiert ist. Menschen kommen und helfen. Was ist passiert, fragen sie? Wo ist ihr Beifahrer? Wie geht es Ihnen?
Die Autobahn sieht aus wie ein Trümmerfeld, hinter uns liegt das Auto, welches auf uns zugeflogen kam, in tausend Stücke zerteilt. Was ist passiert? Ich weiss es nicht.

Das Leben leben
Sieben Stunden später steht Dylan vor knapp 200 Menschen und hält seinen Vortrag. Die Jeans hat Blutflecken und das Publikum, welches vom „Horrorunfall“ auf der A4 kurz vor Aachen (Deutschland) aus den Nachrichten gehört hat, ist sichtlich betroffen. Als Dylan zum Schluss des Vortrages davon erzählt wie wichtig es ist an seine Träume, an sich selbst und an seine Fähigkeiten zu glauben und im Leben zu tun was einem glücklich macht, werden uns zwei Dinge so richtig bewusst: Wir könnten tot sein. Aber wir wären von der Welt gegangen mit dem Wissen, dass wir unser Leben so leben, wie wir es lieben. Genau deshalb war es Dylan so wichtig den Vortrag trotz den unglaublichen Umständen zu halten, obwohl die Organisatoren den Event absagen wollten. „Ich will und ich kann! Es ist mir seit heute noch viel wichtiger die Menschen dazu zu inspirieren ihre Träume zu leben!“
Ja, wir haben keine Zeit zu warten auf den Richtigen Zeitpunkt. Daran mögen wir in Normalfall nicht denken, denn wir wollen alle möglichst lange leben. Aber was bringt es uns ein Leben lang wie blöd zu schuften und dann kaum in Pension, an einem Herzinfarkt zu sterben, jetzt wo wir endlich Zeit für uns hätten? Was hilft es uns Geld zu sparen für später, wenn wir plötzlich mit 34 Jahren todkrank sind? Was bringt es Probleme ungelöst zu lassen, weil gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist sie anzugehen, wenn wir eines schönen Tages plötzlich auf der Autobahn von einem Irren über den Haufen gefahren werden und keine Zeit mehr haben Dinge zu ändern?
Nehmt Euch jetzt Zeit für Eure Träume und Pläne! Arbeitet an einem Ort wo ihr täglich mit Spass hingeht und falls dies nicht der Fall ist ändert etwas. Das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein und Dinge nach hinten zu verschieben.

Plötzlich vor der Mordkommission
Natürlich hatten wir Angst unsere geregelten Jobs und damit das geregelte Einkommen aufzugeben, natürlich hatten wir Bammel davor wie es sein wird ohne Wohnung zu leben. Aber wir taten alles mit unserem Herzen und es kam gut. Was nicht heisst, dass es immer einfach ist. Derzeit ist unser Hab und Gut überall im Haus meiner Eltern verstreut, wir mussten innerhalb weniger Tage einen neuen Bus kaufen und Dylan verbringt wiederum Stunden mit dem Umbau. Geld von der Seite des Schädigers werden wir noch lange nicht sehen. Denn nach dem Unfall sassen wir plötzlich vor der Mordkommission. Ein Falschfahrer, der sich das Leben nehmen wollte, war auf der Autobahn voll Gas in den Gegenverkehr gefahren. Zwei Menschen verloren so auf tragische Weise ihr Leben, während der Selbstmörder ironischerweise noch lebt und sich so zum Mörder machte. Da er sein Auto als „Waffe“ eingesetzt hat, ist seine Versicherung im Recht nicht zu bezahlen. Irgendwann, so unsere Anwältin, werden wir Geld von der Unfallopferhilfe sehen. Aber dies wird dauern.
Sind wir wütend auf den Menschen? Sind wir unglücklich darüber was uns passiert ist? Nein, wir sind schockiert und aufgerüttelt. Zutiefst betroffen, dass jemand sterben musste an jenem Tag, an jenem Ort. Aber, wir schätzen seit dem Unfall jeden Tag viel intensiver als zuvor. Unser Bus und zu Hause mussten wir innerhalb von zwei Tagen einfach ausräumen und zurücklassen, aber er ist ersetzbar. Wir haben vielen mühseligen Papierkram zu erledigen und ich habe immer noch Schmerzen in meinem Knie, während Dylan erneut Tage mit dem Umbau des neuen Busses verbringt. Aber anstatt uns darüber zu beklagen, freuen wir uns darüber, dass wir gemeinsam hier sind, um all dies überhaupt zu tun.
Foxy, unser ehemaliges zu Hause, hat uns und vielleicht anderen das Leben gerettet. Wären nicht wir mit dem so stark gebauten Auto in dem Moment da gewesen wo wir waren als der Unfall passierte, was dann? Ein kleinere PKW wäre unter dem Gewicht des heranfliegenden Autos zerborsten, es könnten mehr Menschen tot sein. Zudem hat Foxy den Wahnsinnigen von der Strasse gefegt und dafür gesorgt, dass nicht noch mehr Menschen hinter uns zu Schaden kamen. So gesehen sind wir sogar dankbar dafür, dass wir in der Situation waren und nicht jemand anderes, mit einem anderen Auto.

Schicksalsschläge werden uns immer wieder vor die Füsse geworfen, was uns dabei bleibt, ist die Wahl der Perspektive. Es wird alles gut, ist unser Lebensmotto und es ist für uns nicht nur eine Floskel. Wir glauben daran und so arbeiten wir mit Freude an Foxy dem Zweiten. Dabei erfreuen wir uns über das, wenn auch ungewollte, Upgrade. Schliesslich sind es die positiven Gedanken, die uns Energie und Kraft geben. Wir haben jetzt ein Hochdach, eine Standheizung und einen halben Meter mehr Platz als zuvor. Zudem: Wir sind am Leben! Alles andere ist zweitrangig.
Es ist bereits alles gut! Sehr gut sogar.

 

Für mehr Infos: www.ride2xplore.com

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Mr. Pao von der Strasse

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Die Gassen führen wie in einem Labyrinth durch die Häuserzeilen. Wer Stone Town auf Sansibar zum ersten Mal besucht, der denkt, dass er nie mehr aus dem Häuserwirrwar hinausfindet. Zu Beginn scheinen alle die grauen und weissen Mauern gleich auszusehen. Nur mit der Zeit lernt man sich an den Details zu orientieren. Ein Plakat aus weissem Papier, direkt an die Wand gekleistert, die besonders schöne Holztüre eines Hauses, der Verkäufer mit seinem Handkarren voller Äpfel, der immer an der gleichen Ecke steht oder die Moschee hinter der nächsten Biegung. Sich in Stone Town zu verlieren ist allerdings nicht weiter schlimm. Die Gegend gilt als sicher und jede oder jeder, den man nach dem Weg fragt ist freundlich genug weiter zu helfen. Zudem macht es riesen Spass sich in den Strässchen treiben zu lassen. Wir treffen auf Männer gekleidet in die Kanzu, die langen weissen Gewänder der Muslime, auf Frauen in farbigen afrikanischen Gewändern, Kinder auf Fahrräder, jungen Männern mit ihren Mofas und hunderte von Katzen. Überall hat es Läden, die ihre Waren auf den kleinen Hausvorsprüngen, die oft als eine Art Bänkchen dienen, ausgebreite haben. Von Tierfellen, über Computer bis hin zu Nüssen, Stoff oder Plastikschüsseln— hier ist alles zu finden. Und umso näher man dem Hafen und den Forodhani Gärten kommt, umso mehr Souvenirshops säumen die Gassen.

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Unangenehmer Händedruck – guter Eindruck
Es war nach fast einer Woche in Stone Town, als wir uns beim Eindunkeln auf dem Weg zu den Forodhani Gärten machen, um uns dort einmal mehr an den unzähligen Essensständen den Bauch voll zu schlagen. Als wir in die Gasse einbiegen, die direkt zum Park am Ufer führt, winkt uns jemand entgegen. Wir erkennen das Gesicht des Mannes, den wir ein paar Tage zuvor zum ersten Mal getroffen haben. Ein stadtbekannter Alkoholiker. Jetzt kommt Pau direkt und mit einem müden Lachen im Gesicht auf uns zu, streckte uns seine Hand entgegen. „Hello my friend!“, wir schüttelten seine Hand und ich bereue es, als ich seine nasse Hand in der meinen spüre. Ich hoffte es ist bloss Alkohol, der soll ja bekanntlich desinfizieren.
In makellosem Englisch spricht der nach Schweiss riechende Alki höflich mit uns und schlägt so das erste Vorurteil in die Flucht. Dann fragt er was wir vorhaben.
„Wir wollen runter zum Markt, um da was zu essen“, antwortet Dylan und der Mann schüttelte sofort den Kopf. „Dort ist das Essen nicht frisch, die Sachen sind aufgetaut, nicht frisch! Da werdet ihr Bauchschmerzen bekommen.“ Er verzieht sein Gesicht und reibt sich den Bauch, als ob er Schmerzen hätte.
„Ich kenne ein besseres Restaurant, da drüben, kommt mit“, sagt er und will schon losmarschieren. Da wir aber bereits ein paar Abende zuvor an einem der unzähligen Essenständen gegessen haben, intervenieren wir.
„Nein, nein, wir wollen nicht viel Geld ausgeben. Wir wollen zum Markt, da ist es gut und günstig.“
„Günstig? Dann gehen wir besser zu Lukmaan. Da gibt es günstiges Essen.“
Lukmaan ist bereits nach den ersten paar Tagen zu unserer Stammkneipe geworden. Hier bekommt man für wenig Geld gutes lokales Essen und es hat den Vorteil, dass man am Buffet einfach mit dem Finger auf das zeigt, was man essen möchte. Ein toller Ort, aber heute Abend wollen wir was Anderes und halten, trotz den Wahrungen des alten Mannes, an unserem Plan fest. Als er merkte, dass wir unbedingt zum Markt wollten, lenkte er ein.

„Ok, dann zeige ich Euch die Stände, die frisches Essen kochen. Es gibt drei Stände, die sind gut. Alle anderen sind nicht gut. Let’s go!“

Fotobombed: Als wir Pao zum ersten Mal traffen, stand er plötzlich einfach im Bild.

Vertrauen aufs Bauchgefühl
Und schon marschiert er voraus, der betrunkene Mann, in schäbigen Kleider und alten Plastiksandalen, mit einem leicht wankenden Gang. Es sind diese Begegnungen von denen man als Reisender immer wieder gewarnt wird. Aber bevor wir überhaupt Zeit zum Nachdenken haben, laufen wir hinter dem bis anhin freundlichen Mann her. Unser Instinkt sagt uns, dass alles gut ist. Sobald wir zur Hauptstrasse kommen, hebt Pao warnend seine Hand. „Be careful. Be careful!“ ruft er und lotst uns sicher über die Strasse. Dann marschiert er zielstrebig über den Markt, schaut weder links noch rechts.

Ihm (und uns) folgen von überall her lachende Blicke, ausrufe aus Swahili, die wir nicht verstehen, dann laufen Kinder hinter ihm her, kneifen ihn in die Seite und rennen lachend davon. Während es uns irritiert wie er behandelt wird, bewegt er sich weiter zielstrebig durch die rollenden Augen und hämischen Grimassen hindurch und hält erst, als er vor einem der Stände steht, welcher laut seinen Angaben sicher für unsere Mägen ist.
Ich dachte gerade noch, dass er jetzt sehr wahrscheinlich vom Standbesitzer einen Batzen Geld erhalten wird, aber die Köche, die mit ihren ordentlich weissen Mützen dahinter stehen, behandelten ihn abschätzig und eher bedrohlich, während er nett bleibt und für uns noch einmal wiederholt, dass das Essen hier gut sei für uns „Mzungu“, Ausländer. Vourteil zwei zieht den Schwanz ein und duckt sich zwischen die Katzen, die unter dem Tisch sitzen und auf einen Happen Fisch hoffen, um sich dann beschämt davonzuschleichen.
Der Essensstand ist mit kleinen Kerosinlampen beleuchtet und wir wählen zwischen Tintenfische, Krebsen und Garnelen ein paar Hähnchenspiesse aus, lassen sie auf dem Grill heiss machen, dazu packen sie uns jedem eine Portion Pommes ein. Auch für Pao, den wir dazu überreden müssen auch etwas für sich auszuwählen.

Vorurteil widerlegt
Unser Freund weicht auch nicht von unserer Seite, als wir uns zum Essen an einen der Tische setzen. Er warte auf uns und werde uns dann nach Hause begleiten, kein Problem. Wir versicherten ihm, dass es nicht nötig sei. Er aber bleibt hartnäckig.
Dylan bestellt ein Dosengetränkt und der Kellner verlangt dafür 1’500 Shilling (rund 75 Rappen). Sofort beginnt Pao in seiner Landessprache auf den Kellner einzureden; lautstark und genervt. Dann übersetzt er, dass normalerweise ein Dosengetränk nur 1’000 Shilling kostet. „Eine Frechheit! Die bescheissen Euch, dies gefällt mir gar nicht.“ Es dauerte ein paar Sekunden und schon mischt sich ein gut gekleideter, runder Herr vom Nebentisch ein.
„Wir wollen Ordnung haben hier! Hier wird nicht so herumgeschrien“, sagt er und Pao duckte sich, sobald er die bestimmenden Worte vernimmt. Seine Körperhaltung drückte aus, dass er unmissverständlich der Unterlegene ist.
„Er ist ein Unruhestifter. Belästigt er Euch?“
„Nein, er ist mit uns da”, antworteten wir und fragen uns, wie gut es um die Ordnung bestellt ist, wenn wir von den reichen Restaurantbesitzer um den Preis beschissen werden, während sich ein Bettler für Gerechtigkeit einsetzt?
Pao wird während dessen immer wieder von Kindern begrabscht, die ihn als einzige Witzfigur sehen und auch andere Einheimische werfen offensichtlich abschätzige Kommentare und Witze nach ihm. Wir fragen warum sie dies tun und er antwortet sanft: „Kein Problem, sie sind meine Freunde. Wirklich!“

Wie er uns da gegenüber im Plastikstuhl sitzt, fallen seine Augen immer wieder zu.
„Du kannst nach Hause gehen und schlafen, wir finden den Weg zurück“, offerieren wir ihm mehrmals, doch er bleibt stur. Er werde uns sicher nach Hause bringen. Was er zum Schluss auch tut. Dies erst nachdem er uns erzählt hat, dass er früher als Touristenführer gearbeitet hat, nebst Englisch auch Deutsch, Spanisch und Italienisch spricht und jetzt im Alter von 50 Jahren leider zu viel Alkohol trinkt. Er zuckt mit den Achseln. „Ich habe eine Frau und fünf Kinder, wir können nachher bei meinem Sohn vorbeigehen. Er hat ein Taxi. Braucht ihr ein Taxi?“
Wir sind froh zu hören, dass er eine Familie hat, wie häufig er aber tatsächlich noch zu Hause vorbeischaut, bleibt sein Geheimnis. Dafür hat er uns einmal mehr daran erinnert, dass wir andere Menschen nicht nach ihrem Äusseren beurteilen sollten und dass Vorurteile einzig dazu existieren, widerlegt zu werden. Danke Mister Pao!

Heiss Wasser!

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„Zkzkzkzkzk,“ das Geräusch eines Tasers sprang uns entgegen als wir die Türe öffneten. Ich sah Handgranaten, neben Pistolen und Messern. Die Frau hinter der Ladentheke lächelte mich entspannt an, während sie per Knopfdruck ausprobierte, ob die Geräte auch wirklich funktionieren. Es zischte erneut und ich wandte mich irritiert wieder dem Herrn zu, der uns ins Innere des Geschäftes geführt hatte und der nun unter dem Regal etwas hervor kramte. Wir waren in Südfrankreich und hatten spontan angehalten, als wir die Aluminiumkisten und Gefässe vor dem Laden erblickten. Für unsere Warmwasserdusche waren wir immer noch auf der Suche nach einem passenden Kanister. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, da der Wassertank, versehen mit zwei Heizröhren, in die Seitenbox von Foxy, unserem VW Bus, eingebaut werden sollte und somit maximal 20 cm breit sein sollte. Dylan will, dass sich das Wasser künftig während des Fahrens durch das Kühlwasser vom Motor aufheizt. Bis anhin hatten wir das Wasser zuerst auf unserem Gaskocher heiss machen und dann in einen Kanister einfüllen müssen, um zu duschen.

Häufig gefragt
„Ihr seht ja gar nicht aus, als würdet ihr im Bus wohnen,“ begrüsste uns eine Freundin vor ein paar Monaten, als wir vor ihrer Haustüre standen. „So sauber und frisch angezogen,“ beantworte sie unser Stirnrunzeln. Hygiene ist für uns auch im Bus selbstverständlich, für viele scheint es aber ein grosses Fragezeichen. Wie duscht ihr? Wo geht ihr aufs Klo?
Wenn wir unterwegs sind, dann gehen wir da aufs WC, wo alle anderen Reisenden auch: in Autobahnraststätten, Cafés, Restaurants. Sind wir irgendwo stationär, so wie neulich im ländlichen Spanien, wo die Temperaturen immer noch bei angenehmen 23 Grad liegen, dann geht es mit Schaufel bewaffnet so weit wie möglich in den Wald. Wichtigstes Gebot für uns ist es keine Spuren zu hinterlassen. Weder Abfall noch sonst was liegen zu lassen. Und Duschen tun wir in der Regel direkt hinter Foxy. Jeden Abend, immer warm und mit biologisch abbaubarem Duschmittel. Ist das Wetter zu kalt, leisten wir uns einen Eintritt in einen Sportkomplex, um dort zu duschen.

Mc Gyver in Aktion
Der Militärshop in Frankreich hatte tatsächlich einen 15 Liter Kanister, der in Foxys Seitenbox passt. Auf dem Weg weiter in den Süden hielten wir immer wieder nach Werkstätten Ausschau, die den Tank so modifizieren konnten, wie Dylan sich dies ausgedacht hatte. Wir stoppten in unzähligen „ferreterías“ – Eisenwarenhandlungen – und kauften weitere Teile dazu. Wir fanden überall helfende Menschen, die, wenn sie nicht hatten was wir suchten, einen Plan zeichneten, damit wir im nächsten Dorf weiter kamen mit unserem Heisswasser-Projekt. Schliesslich fanden wir sogar eine Schlosserei die Alu verarbeitet und innerhalb eines halben Tages zwei Röhren in den Tank einschweisste, damit diese fortan als Heizröhren dienen.
Foxy war, als wir in kauften, ein ganz normaler Passagier-Bus. Mittlerweile hat Dylan, ich nenne ihn bereits Mc Gyver, aus Foxy ein kleines Universum gebaut. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Unter dem Bett sind 600 Liter Stauraum für Kleider, Küche und Arbeitsequipment, wir haben einen Kühlschrank, einen Backofen und mehr als 50 Liter Wasser. Seit neustem eben auch Heisswasser. Gestern hat Dylan die Röhren, die nun links und rechts aus dem Tank schauen, mit dem Kühlwassersystem von Foxy verbunden und den Tank eingebaut. Dann haben wir eine Testfahrt gemacht. 16 Kilometer reichen aus, damit das Wasser so heiss wird, um angenehm duschen zu können. Dazu spannen wir hinter Foxy unser (natürlich ebenfalls selbstgebautes) Zelt um die Heckklappe, stecken die kleine Pumpe, die mit der Kraft der Autobatterie Wasser durch den Duschkopf pumpt, in den Heisswassertank und voilà, schon ist der Zauber vollbracht. Heisses Wasser! Wir freuen uns darüber wie kleine Kinder über Geburtstagsgeschenke. Oder wie Dylan es heute Morgen beim Frühstück ausdrückte: „Wir haben vieles aufgegeben, aber es misst sich nicht mit dem Glück hier in der Sonne zu sitzen und dem Vogelgezwitscher zu lauschen.“

Von kurzen und guten Nächten

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Die Strassen winden sich den Fjorden entlang, scheinen sich mit unsichtbaren Händen an die Felsen zu klammern, führen uns über Pässe, über Brücken und durch Tunnel, die so steil hinunter in die Erde führen, als würden wir direkt zum Teufel fahren. Bald aber geht es auf der anderen Seite wieder hoch. Unser GPS zeigt an, dass wir durchs Nordeuropäische Meer gefahren sind. Hätten wir das kleine Gerät nicht, würden wir hier draussen, am nordwestlichen Ende Europas, die Orientierung vollends verlieren. Meer und Berge spielen mit uns und bringen uns mit ihrer Schönheit um den Verstand. Das Wasser ist so klar, dass wir von der Brücke aus den Quallen zusehen können, die mit der Strömung der Gezeiten zurück in die Weite des Ozeans schwimmen. Diese Farben, diese Wolken, diese Intensität! Als wäre die Schönheit nicht bereits überwältigend genug, spiegelt sich das gesamte Wunderbild im Wasser wider. Ist es ein See? Oder das Meer? Oft wissen wir es nicht. Der Kilometerzähler steht bei 394’735. Wir sind auf den Lofoten angekommen. Wir hatten spontan entschieden die fünf Wochen Sommerpause zu nutzen, um bis zum Nordkap hoch zu fahren. Aber der Eintrittspreis von über 50 Euro für zwei Personen war für uns Indikator dafür, dass es dort zu viele Touristen haben wird. Nun geniessen wir die raue Schönheit Norwegens auf den Lofoten, wo man, wie bereits in Schweden, den Bus überall parken kann, ohne jemanden zu störten. Für uns das Paradies! Jeden Abend geniessen wir ein neues, umwerfendes Panorama vor unserem Schlafzimmerfenster. Guten Schlaf zu finden ist aber trotzdem nicht ganz einfach: Die Sonne geht kurz vor Mitternacht unter und um drei Uhr in der Frühe wieder auf. Fast jeden Morgen weckt uns das helle Licht um vier Uhr auf und wir haben das Gefühl es sei bestimmt schon acht, neun Uhr.

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Einen geruhsamen Platz für die Nacht zu finden ist nicht immer so einfach wie hier in Skandinavien. In England hat es so viele Zäune und Mauern, dass wir auch schon mal bei einem Bauern fragen mussten, ob wir auf seinem Feld stehen dürften. Meist schauen wir via dem Satellitenbild von Googlemaps nach, wo es viel Natur und wenig Häuser gibt. Wichtigste Gebote dabei sind: niemanden stören und ein sicheres Gefühl haben. Dylans Intuition für einen Stellplatz hat sich auf seiner dreijährigen Motorradreise geschärft. Haben wir ein ungutes Gefühl geht’s weiter. Raststätten sind nur Notlösungen, wenn wir zu einem Termin unterwegs sind und schnell vorwärtskommen müssen zum Beispiel. Campingplätze benutzen wir, wo das wilde Campieren verboten ist. Und manchmal können wir unseren Foxy auch vor dem Haus von Freunden parken. So wie vor zwei Wochen in Östersund, Schweden. Als ich morgens um 6.45 die hintere Türe zuzog erklang sofort das metallische Klack-klack der Zentralverriegelung. Ein schreckliches Geräusch so früh morgens, vor allem als ich Sekunden später realisierte, dass der Schlüssel im Bus und Dylan bereits beim Frühstück ist. Sein Kaffee wurde kalt während wir die nächsten vier Stunden damit zubrachten ins eigenes Auto einzubrechen ohne einen allzu grossen Schaden anzurichten. Wie dankbar waren wir, dass dies vor der gut ausgerüsteten Werkstatt unserer Freunde passiert war und nicht zwei Tage zuvor, als wir mitten im schwedischen Wald alleine unter Moskitos und Elchen waren.

Sommerabend am See – Nordnorwegen

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Zuerst das spröde Knacken von trockenem Holz, wenig später brechen die Poren der Stöcke und Äste unter der Hitze des Feuers auf. Der Wind jagt die Flammen in alle Richtungen und auf dem eben noch flachen See entstehen nach und nach Wellen. Leise bewegen sie unter Wasser die Steine. Sie rollen aufeinander hin und her und singen so ein Lied für uns. Wir sitzen am Feuer und wärmen uns auf, kochen Tee und werden vom wilden Wind abwechselnd in Rauch gehüllt. Auf den Bergkuppen am anderen Seeufer, unweit von uns, liegt immer noch Schnee, die Tage bis zum Winter sind schnell gezählt. Sehr wahrscheinlich bleiben die weissen Flecken liegen. Harren aus, bis sie sich mit den neuen Schneekristallen wieder zu einer Fläche vereinen können, die wie eine samtene Decke den ganzen Berg überdecken wird. Dann werden auch die Wellen erstarren und der Wind wird über den zugefrorenen See fegen. Wie ein Schneebesen wird er die Fläche sauber halten, wird das spärliche Licht durchs Eis schimmern lassen.

Noch aber ist Sommer und der Himmel verdunkelt sich nicht. Bis heute habe ich immer nur daran gedacht, wie ermüdend es sein muss hier im nordischen Winter für so lange Zeit die Sonne nicht zu Gesicht zu bekommen, sich nicht an ihrer Energie auftanken zu können. Heute aber fragte ich mich, ob die Menschen hier oben im Sommer nicht auch die Sterne vermissen?

Ich vermisse die Sterne am Himmel, mit ihnen die Dunkelheit, die sie erleuchten lässt. Auch weil die nie endenden Tage und kurzen Dunkelphasen – Nacht wäre ein zu übertriebener Begriff – nicht genügend Zeit lassen uns von der Schönheit der überwältigenden Natur zu erholen. Der Schlaf ist leicht und die Träume sind häufig und wirr, als würden die Bergtrolle und Fjordzwerge sie vom Dach unseres Busses durch kleine Ritzen in unseren Schlaf streuen. Die unzusammenhängenden Stränge der Geschichten kommen daher, dass einige der Traumkörner in den Ritzen hängen bleiben. Vielleicht fallen sie in der nächsten Nacht herunter und verweben sich zu neue Geschichten.

Hier in Nordnorwegen hat es viel mehr Natur als Menschen. Die Weite, sie lässt Platz, nicht nur für Elche, Wölfe und Bäume. Sie lässt auch Platz für Trolle und Zwerge. Sie sind überall, man muss sie bloss sehen wollen. Schwieriger wird es mit den Menschen. Wir vermissen sie fast etwas. Denn da wo sie sind, ist normalerweis auch Fröhlichkeit, ist Freundschaft und Wärme. Jetzt wärmt die Tasse meine Hände, der Tee schmeckt rauchig, nach Feuer und Holz. „So wie früher,” sagt mein Mann. „So wie damals bei meiner Mutter.“ Wir sitzen am See und es überkommt uns das Gefühl, den ganzen See, die Berge alles für uns alleine zu haben.

Neulich dachten wir uns, dass wir in einer Bäckerei frühstücken sollten, um uns unter die Menschen zu mischen, Gespräche zu beginnen. Kaffee trinken würden ja sicherlich auch die Skandinavier. Als wir bestellt hatten, realisierten wir, dass kein einziger anderer Kunde in der Cafeteria sass. Morgens um 9 Uhr. Vielleicht ist es ja genau die Einsamkeit, die die Kultur hier oben ausmacht. Dann fuhren wir weiter, hinaus in den Wald, trafen Rentiere und Bäume. Und noch mehr Bäume. Dazwischen vereinzelte Häuser. Die Ortstafel meist grösser als die Ortschaft. Wie lebt es sich in der Einsamkeit? Warum lebt man hier Draussen, so weit weg von allem? Sind sie auch einsam die Nordländer? Oder brauchen sie das Alleinsein? Vielleicht finden wir mal noch einen, den wir dies fragen können.

Das Feuer ist aus. Die Augen sind müde und die Trolle klopfen bereits ungeduldig aufs Dach. Sie wollen ihre Arbeit verrichten. Wenn ich mich anstrenge, dann sehe ich den feinen Staub ihrer (oder meiner?) Träume bereits in der Luft tanzen. Er kitzelt mich in der Nase und lässt mich an anderen Seeufer, da wo der Fels in Wald übergeht, einen Elch erblicken. Oder ist es ein Einhorn? Die Vorstellung trägt mich in den Schlaf. Ich höre noch die tapsenden Füsse der Trolle. Sie entfernen sich fröhlich pfeifend, rutschen mit einem Jauchzen über die Frontscheibe hinunter, kullern durchs weiche Moos zurück in ihre Welt.

Irgendwo in Südschweden

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Von drinnen höre ich Schritte und noch bevor die Türe geöffnet wird, vernehme ich eine fröhliche Stimme. „Ja, ihr seid richtig hier!“, dann geht die Türe und mit ihr die Sonne auf. Ich erblicke eine kleine Frau mit grauen Haaren und einem umso grösseren Strahlen im Gesicht. Sie hat vor lauter Freude beide Arme erhoben, ruft „Välkommen!“ und umarmt mich bevor ich etwas Anderes tun kann als ihr entgegen zu lachen. Dylan fährt Foxy, unsere VW Bus, auf den Platz vor das kleine weisse Holzhaus und steigt aus. Auch er erhält dieselbe, herzliche Begrüssung von Brigitta. Mittlerweile ist Stanley im Türrahmen erschienen. Auch er heisst uns bei Ihnen in Hållanda herzlich willkommen. Wir sind in Südschweden, in einem winzig kleinen Dorf. Ein paar charmante Holzhäuser im Wald, mehr nicht. Gestern Abend hätten die Elche die Äpfel von ihren Bäumen gefressen, erzählt Brigitta beim Abendessen, welches wir einnehmen während sie Blaubeeren sortiert und einfriert. „Für den Winter, für Stanley.“
Ihr Mann, soviel haben wir bereits mitbekommen, hat es gerne etwas strukturiert. Jeden Abend geht er pünktlich um 20.30 Uhr zu Bett. Daher hatte sie uns gebeten doch möglichst nicht zu spät zu kommen, als wir am Vortag anriefen und uns ankündigten.

Es ist ungefähr viertel nach Acht, als Dylan nach den beiden alten Volvos fragt, die draussen in einem Schuppen stehen. Der eine sei seiner Frau, der andere, der leider gerade kaputt sei, sei seiner. Jahrgang 1983. Er habe ihn damals in England gekauft und damit sogar seine tote Mutter in ihre Heimat zurückgefahren. Wie er erzählt, merken wir, dass ihm das Auto viel bedeutet. „Er ist kaputt? Was ist das Problem damit?“
Wenig später verschwinden die beiden Männer nach draussen. Dylan will versuchen den Schaden zu beheben. Da Stanley das Auto in England gekauft hatte, findet er hier in Schweden kein passendes Ersatzteil, was ihm bereits seit ein paar Wochen Sorgen bereitet. Ich helfe Brigitta, trotz anfänglicher Wiederrede ihrerseits, Beeren zu sortieren. Als ich den ersten Eimer fertig habe, kommt sie in Fahrt: „Hier ist noch mehr Arbeit für dich“, lacht sie und stellt eine Schüssel voller Chruselbeeren vor mich hin.

Unterdessen kommt Stanley alle paar Minuten zurück in die Küche, seine Holzschuhe künden ihn immer bereits im Voraus an. „Dylan braucht Stahlwolle.“ „Dylan braucht Schrauben.“ Diesmal sucht er nach einem Verlängerungskabel und der Bormaschine. Brigitta und ich stehen am Fenster und beobachten die Männer, es ist schon fast zehn Uhr abends. Da wir im Norden sind aber immer noch hell. „Ich dachte Stanley geht immer um 8.30 zu Bett,“ sage ich und will fortfahren, da klopft sie mir kräftig auf den Arm und sagt: „Schau! Heute ist er überhaupt nicht müde. Heute ist er fit und jung! Schau, wie er sich freut!“ Und tatsächlich die Augen ihres Mannes lachen und der sechsundsiebzig Jährige hat einen so verschmitzten, fröhlichen Ausdruck, wie ein kleiner Junge, der gerade Fahrradfahrend gelernt hat.

„Stanley, ist das Auto wirklich geflickt?“ fragt Brigitta als die beiden Männer wieder in die Küche kommen und Dylan zum Händewaschen im Badezimmer verschwunden ist. Auf dem Tisch steht frisch gebrühter Tee. „Ja Darling! Er hat das Auto geflickt, kannst Du dir das vorstellen! Er hat unser Problem gelöst!“ So viel ehrliche Freude, so viel Zuneigung und Humor fliegt zwischen den beiden hin und her. Es ist bezaubernd sie zu beobachten. Dann wendet sich Brigitta wieder an uns. „Ich habe heute, bevor ihre gekommen seid, zu Stanley gesagt: Koch etwas für die beiden es könnte sein, dass sie Engel sind.“ Sie schüttelt den Kopf und sagt immer wieder „This is a miraaakle“ halb englisch, halb schwedisch. Wir sind berührt und beschwingt als wir an diesem Abend vor ihrem kleinen Holzhaus in Foxy unser Bett beziehen. Die Uhr zeigt 23:30.

Oft hat das Leben auf der Strasse solche unerwarteten Begegnungen bereit. Mein Mann hatte Brigitta vor sechs Jahren auf seiner Weltreise kennengelernt. Er war in Äthiopien und lag mit einer schlimmen Lebensmittelvergiftung im Bett. Die alte Frau, die ein paar Zimmer weiter wohnte, hatte die ganze Nacht seine Hand gehalten, als er sich vor Schmerzen gewunden hat. „Stundenlang habe ich damals für dich gebetet! Weißt du das noch?“ Er kann sich nur noch schemenhaft daran erinnern. „Aber ich war so dankbar, dass jemand da war! Zum Glück war es auf dieser Reise das einzige Mal, wo ich wirklich krank war. Kannst du dir das vorstellen? Dreieinhalb Jahre unterwegs und danach nie mehr krank!“ Brigittas fröhliche, aber ernst gemeinte Antwort darauf lässt keine Wiederrede zu: „Siehst du! Ich habe damals so viel für deine Gesundheit gebetet, dass es ganze drei Jahre gereicht hat!“

Wolkenbad / Bath in the clouds

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Koordinaten: 56.375569, 14.001833

Die Wolken machen sich heute besonders schön. Sie bewundern ihr Spiegelbild in der flachen Wasseroberfläche und denken sich, dass sie gerne noch etwas grösser wären. Dann plustern sie sich auf, stacheln sich gegenseitig an und verschmelzen langsam zu einem Teppich gewoben aus unterschiedlichen grau und weiss Tönen. Die Sonne lässt sich davon nicht beeindrucken und wirft ihre Strahlen gelassen dazwischen, trennt die Wolken sanft von ihrem Ego. Die kleine Holzleiter am Ende des Steges ist jetzt der Einstieg in ein Wolkenbad, das Wasser ist so dunkel und unergründlich schwarz, dass ich froh bin die hellen Wolken darin zu erkennen.

Plötzlich ein sanftes„Flapp“, ein Fisch springt auf und klatsch mit einem Salto zurück ins Wolkenbad, ins schwarze Wasser des Moorsees. Die Wasseroberfläche wird wieder ruhig, meine Augen finden zurück zum Text, zur Arbeit, die Füsse hängen im Wasser. Einige Minuten später hebe ich den Blick erneut. Eine brauen Stockente ist nur wenige Zentimeter von mir weg, hockt vor mir im Wasser uns schaut mich gespannt an. Ihre kleinen schwarzen Augen sind freundlich und interessiert. Und dann doch etwas schüchtern, als sie realisiert, dass ich sie bemerkt habe und wir uns in die Augen schauen. Einige Augenblicke bleibt sie in der Nähe. Wir teilen uns das Bad in den Wolken, dann zieht sie weiter. Wieder geht mein Fokus zurück zum Text. Beschwingt und leicht durch diese kleine Begegnung.
Weiter drüben bellt ein Hund, ein fröhliches Bellen. Wäre er ein Mensch würde er jauchzen. Er springt freudig ins Wasser und sucht nach einem Holzstock, den ihm eine blonde Frau immer wieder in den See wirft. Er rast ins Wasser, holt den Stock, dazwischen das Jauchzen. Vielleicht hat sein Plantschen die dünne Wasserschlange aufgeschreckt. Sie kommt eiligst über die Wasseroberfläche geschlängelt. Reckt ihren kleinen Kopf aus dem Wolkenmeer, ihr dunkler Körper schlängelt sich durchs ebenso schwarze Wasser. Fast sieht man sie nicht.

Stimmen drängen vom Ufer heraus. Ich sitze am Ende einer Badeplattform, die heute mir alleine gehört. Zu den Gesprächsfetzen ein Schlag der Turmuhr und dann kommt sie wieder, meine Freundin die Ente, schwimmt vorbei schaut mich an, lächelt und schwimmt weiter. Die Sonne hat die Wolken vertrieben. Es wird Zeit einzutauchen in den See, dessen Oberfläche nun dunkelblau vor mir liegt. Danke für die Einladung ich nehmen sie gerne an.

Reisetipp: Sitze irgendwo für eine Stunde alleine an einem See und geniesse die Ruhe. In Schweden geht dies besonders gut. Unzählige Seen laden an den langen Sommertagen zum Verweilen ein.

Let the sun shine

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Modern day nomads – we feel at home anywhere, work anywhere, live anywhere and we choose to be where we want to be. A dream that we always pursued and it’s finally here for us to enjoy. Nevertheless, it’s not always easy or perfect. Where we are right now in the UK, the weather has been too wet and cold for my liking and in the last few days it rained only just once and we had no other option but to gaze at the landscape from the inside… as the water drops ran down the windscreen and the willows showed their grace and flexibility in the wind accompanied by the constant rustle. At first you enjoy the rain while you enjoy it from the inside but later it becomes a annoyance and then it turns into a plague. However the warm coffee mugs and pots and pots of tea kept our sanity and then the patches of blue appeared and they grew ever larger. As the sun came out, we too got to enjoy the outdoors but still, there were moments when the sun did nothing to contribute to the summer and we kept our woollen caps and jackets on. But when we park our rolling home somewhere, all is forgotten. Here we literally counted the sheep till we fell asleep. I quite like the Welsh optimism as they say “the sun will shine tomorrow”. It always does! You just have to go find it!


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Modernes Nomadentum – überall zu Hause zu sein, zu arbeiten und zu leben, wo es gerade passt. Davon haben wir geträumt. Jetzt wo wir unseren Traum leben, ist natürlich nicht alles immer perfekt. Vor allem hier oben auf den Britischen Inseln ist es gerade noch ziemlich nass und kalt. Die letzten paar Tage regnete es nur einmal und uns blieb nichts anders übrig als zuzuschauen, wie sich die Wasserperlen ihren Weg der Scheibe entlang suchten, wie die Tannen im Wind ihre Rücken durchbogen, dazu ein ewiges Prasseln. Zu Beginn ein Geräusch der Geborgenheit, aber irgendwann hat man auch genügend davon. Wir sassen also ein paar Tage hinter Scheibenwischern und heissen Kaffeetassen. Plötzlich wurden die kleinen blauen Flecken am Himmel grösser und grösser, die Sonne kam raus und wir mit ihr. Und dann merkten wir, dass wir trotz Sommer und Sonnenschein noch eine Wollmütze benötigen.
Aber wenn wir unser rollendes Häuschen parken, uns unter den Decken verkriechen und die Aussicht geniessen, dann ist alles vergessen. Hier können wir zum Glück wortwörtlich Schafe zählen, falls wir vor lauter Schönheit nicht schlafen können.
Die Waliser sind übrigens sehr sympathische Optimisten. „Morgen scheint die Sonne“, ist der meist gehörte Satz in Wales. Für uns scheint sie auch wenn es regnet, du musst nur wissen wo suchen.

Just do it

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Every person who does something, creates something, who decided to live life in their way, with their dreams and with things that they love doing, are an inspiration to me. I wish everyone understands that it makes you so much happier when you do the things that you love and that it is absolutely worth to go and reach out for your dreams (and the stars!). People who do so, who change their life themselves instead of waiting for the change are an inspiration to me and hopefully to many others too.

“The way to get started is to quit talking and start doing”

Shot in Arugam Bay, Sri Lanka.

In response to The Daily Post’s weekly photo challenge: “Inspiration.”

Light and dark

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The wall is dividng the safe place I stand on from the air – is dividing me from free falling over the edge.  It also divides the fort from the ocean. And somwhere at the horizon, the ocean is divided from the sky. It is still a sharp division – even when from where I stand it all looks blurred. But backt to what is here right in front of me. The thick stone walls, heated up by the sun, are part of the Galle Fort (Sri Lanka). This massive big walls go down a long way into the Indian Ocean. And they must have seen a lot in their past. The Galle Fort was built 1588 by the Portuguese, then extensively fortified by the Dutch during the 17th century from 1649 onwards. The last harsh time these old walls had to endure was the 2004 tsunami.  Imagine what all they would tell us, if these walls could talk! Imagine the number of ships these walls must have seen, standing with their feet in the water all day, every day since 427 years.

Today the fort is a place where young couples hang around, a place to go for a run, to sit around with your friends, and just to be and let your soul fly over the waves. If you stand at the point where this photos where taken, you see the Indian Ocean right in front of you and the noisy town down on your right. You hear the crushing of the waves louder than the honking sounds from the bustling town. It is indeed a relaxing place and you long to just sit there and enjoy the moment. But then you have this camera in your hand and some young men start feeding these crows. And to make the situation even better: This all happens at time for sunset.
The crows fly right over the edge of the steep massiv walls. Since there is kind of an inlet in the wall the wind blows in a unsteady way, seducing the birds to do some real aristic stuff.  Of corse the young men feeding the birds by throwing small pieces of bread into the air help to make the art of flying perfect to me and my camera.

The silouette of the dark crows showing off their skills in front of this sky, so wonderfully beautiful, does not let any photographer relax. It was just stunnig to watch and made me click one more and one more and one more…

To watch this happening is kind of like meditating with your camera. It is half light and half dark in a ever-changing way. And nothing else for a few mintues. Half light and half dark – that’s all what you need in this exact moment.

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“When the Sun of compassion arises darkness evaporates and the singing birds come from nowhere.”
Amit Ray, Author & Yogamaster

In response to The Daily Post’s weekly photo challenge: “Half and Half.”