Jeden Tag leben!

Vor drei Monaten knallte unser Leben mit hunder Sachen auf Dasjenige eines Selbstmörders. Für uns ist der Tag damals auf der Autobahn in Deutschland zum Anlass geworden jeden Tag noch intensiver zu leben. Denn wir haben nur das Hier und Jetzt.

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„Oh Scheisse!“, ist alles was Dylan sagen kann. Wie ich aufblicke sehe ich nur noch ein Auto seitwärts auf uns zu fliegen. Ein unglaublich lautes Krachen folgt und dann das pure Chaos. Im Kopf und auf der Strasse.

Wie durch ein Wunder können wir beide praktisch unverletzt aussteigen, ich kann zwar mein rechts Bein nicht belasten, aber egal ­ wir sind am Leben! Weiter vorne beginnt ein total zerquetschtes Auto zu qualmen. Dylan rennt hin und zieht die Beifahrerin heraus. Ich atme schwer, sitze auf der Leitplanke und versuche zu verstehen was passiert ist. Menschen kommen und helfen. Was ist passiert, fragen sie? Wo ist ihr Beifahrer? Wie geht es Ihnen?
Die Autobahn sieht aus wie ein Trümmerfeld, hinter uns liegt das Auto, welches auf uns zugeflogen kam, in tausend Stücke zerteilt. Was ist passiert? Ich weiss es nicht.

Das Leben leben
Sieben Stunden später steht Dylan vor knapp 200 Menschen und hält seinen Vortrag. Die Jeans hat Blutflecken und das Publikum, welches vom „Horrorunfall“ auf der A4 kurz vor Aachen (Deutschland) aus den Nachrichten gehört hat, ist sichtlich betroffen. Als Dylan zum Schluss des Vortrages davon erzählt wie wichtig es ist an seine Träume, an sich selbst und an seine Fähigkeiten zu glauben und im Leben zu tun was einem glücklich macht, werden uns zwei Dinge so richtig bewusst: Wir könnten tot sein. Aber wir wären von der Welt gegangen mit dem Wissen, dass wir unser Leben so leben, wie wir es lieben. Genau deshalb war es Dylan so wichtig den Vortrag trotz den unglaublichen Umständen zu halten, obwohl die Organisatoren den Event absagen wollten. „Ich will und ich kann! Es ist mir seit heute noch viel wichtiger die Menschen dazu zu inspirieren ihre Träume zu leben!“
Ja, wir haben keine Zeit zu warten auf den Richtigen Zeitpunkt. Daran mögen wir in Normalfall nicht denken, denn wir wollen alle möglichst lange leben. Aber was bringt es uns ein Leben lang wie blöd zu schuften und dann kaum in Pension, an einem Herzinfarkt zu sterben, jetzt wo wir endlich Zeit für uns hätten? Was hilft es uns Geld zu sparen für später, wenn wir plötzlich mit 34 Jahren todkrank sind? Was bringt es Probleme ungelöst zu lassen, weil gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist sie anzugehen, wenn wir eines schönen Tages plötzlich auf der Autobahn von einem Irren über den Haufen gefahren werden und keine Zeit mehr haben Dinge zu ändern?
Nehmt Euch jetzt Zeit für Eure Träume und Pläne! Arbeitet an einem Ort wo ihr täglich mit Spass hingeht und falls dies nicht der Fall ist ändert etwas. Das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein und Dinge nach hinten zu verschieben.

Plötzlich vor der Mordkommission
Natürlich hatten wir Angst unsere geregelten Jobs und damit das geregelte Einkommen aufzugeben, natürlich hatten wir Bammel davor wie es sein wird ohne Wohnung zu leben. Aber wir taten alles mit unserem Herzen und es kam gut. Was nicht heisst, dass es immer einfach ist. Derzeit ist unser Hab und Gut überall im Haus meiner Eltern verstreut, wir mussten innerhalb weniger Tage einen neuen Bus kaufen und Dylan verbringt wiederum Stunden mit dem Umbau. Geld von der Seite des Schädigers werden wir noch lange nicht sehen. Denn nach dem Unfall sassen wir plötzlich vor der Mordkommission. Ein Falschfahrer, der sich das Leben nehmen wollte, war auf der Autobahn voll Gas in den Gegenverkehr gefahren. Zwei Menschen verloren so auf tragische Weise ihr Leben, während der Selbstmörder ironischerweise noch lebt und sich so zum Mörder machte. Da er sein Auto als „Waffe“ eingesetzt hat, ist seine Versicherung im Recht nicht zu bezahlen. Irgendwann, so unsere Anwältin, werden wir Geld von der Unfallopferhilfe sehen. Aber dies wird dauern.
Sind wir wütend auf den Menschen? Sind wir unglücklich darüber was uns passiert ist? Nein, wir sind schockiert und aufgerüttelt. Zutiefst betroffen, dass jemand sterben musste an jenem Tag, an jenem Ort. Aber, wir schätzen seit dem Unfall jeden Tag viel intensiver als zuvor. Unser Bus und zu Hause mussten wir innerhalb von zwei Tagen einfach ausräumen und zurücklassen, aber er ist ersetzbar. Wir haben vielen mühseligen Papierkram zu erledigen und ich habe immer noch Schmerzen in meinem Knie, während Dylan erneut Tage mit dem Umbau des neuen Busses verbringt. Aber anstatt uns darüber zu beklagen, freuen wir uns darüber, dass wir gemeinsam hier sind, um all dies überhaupt zu tun.
Foxy, unser ehemaliges zu Hause, hat uns und vielleicht anderen das Leben gerettet. Wären nicht wir mit dem so stark gebauten Auto in dem Moment da gewesen wo wir waren als der Unfall passierte, was dann? Ein kleinere PKW wäre unter dem Gewicht des heranfliegenden Autos zerborsten, es könnten mehr Menschen tot sein. Zudem hat Foxy den Wahnsinnigen von der Strasse gefegt und dafür gesorgt, dass nicht noch mehr Menschen hinter uns zu Schaden kamen. So gesehen sind wir sogar dankbar dafür, dass wir in der Situation waren und nicht jemand anderes, mit einem anderen Auto.

Schicksalsschläge werden uns immer wieder vor die Füsse geworfen, was uns dabei bleibt, ist die Wahl der Perspektive. Es wird alles gut, ist unser Lebensmotto und es ist für uns nicht nur eine Floskel. Wir glauben daran und so arbeiten wir mit Freude an Foxy dem Zweiten. Dabei erfreuen wir uns über das, wenn auch ungewollte, Upgrade. Schliesslich sind es die positiven Gedanken, die uns Energie und Kraft geben. Wir haben jetzt ein Hochdach, eine Standheizung und einen halben Meter mehr Platz als zuvor. Zudem: Wir sind am Leben! Alles andere ist zweitrangig.
Es ist bereits alles gut! Sehr gut sogar.

 

Für mehr Infos: www.ride2xplore.com

Heiss Wasser!

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„Zkzkzkzkzk,“ das Geräusch eines Tasers sprang uns entgegen als wir die Türe öffneten. Ich sah Handgranaten, neben Pistolen und Messern. Die Frau hinter der Ladentheke lächelte mich entspannt an, während sie per Knopfdruck ausprobierte, ob die Geräte auch wirklich funktionieren. Es zischte erneut und ich wandte mich irritiert wieder dem Herrn zu, der uns ins Innere des Geschäftes geführt hatte und der nun unter dem Regal etwas hervor kramte. Wir waren in Südfrankreich und hatten spontan angehalten, als wir die Aluminiumkisten und Gefässe vor dem Laden erblickten. Für unsere Warmwasserdusche waren wir immer noch auf der Suche nach einem passenden Kanister. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, da der Wassertank, versehen mit zwei Heizröhren, in die Seitenbox von Foxy, unserem VW Bus, eingebaut werden sollte und somit maximal 20 cm breit sein sollte. Dylan will, dass sich das Wasser künftig während des Fahrens durch das Kühlwasser vom Motor aufheizt. Bis anhin hatten wir das Wasser zuerst auf unserem Gaskocher heiss machen und dann in einen Kanister einfüllen müssen, um zu duschen.

Häufig gefragt
„Ihr seht ja gar nicht aus, als würdet ihr im Bus wohnen,“ begrüsste uns eine Freundin vor ein paar Monaten, als wir vor ihrer Haustüre standen. „So sauber und frisch angezogen,“ beantworte sie unser Stirnrunzeln. Hygiene ist für uns auch im Bus selbstverständlich, für viele scheint es aber ein grosses Fragezeichen. Wie duscht ihr? Wo geht ihr aufs Klo?
Wenn wir unterwegs sind, dann gehen wir da aufs WC, wo alle anderen Reisenden auch: in Autobahnraststätten, Cafés, Restaurants. Sind wir irgendwo stationär, so wie neulich im ländlichen Spanien, wo die Temperaturen immer noch bei angenehmen 23 Grad liegen, dann geht es mit Schaufel bewaffnet so weit wie möglich in den Wald. Wichtigstes Gebot für uns ist es keine Spuren zu hinterlassen. Weder Abfall noch sonst was liegen zu lassen. Und Duschen tun wir in der Regel direkt hinter Foxy. Jeden Abend, immer warm und mit biologisch abbaubarem Duschmittel. Ist das Wetter zu kalt, leisten wir uns einen Eintritt in einen Sportkomplex, um dort zu duschen.

Mc Gyver in Aktion
Der Militärshop in Frankreich hatte tatsächlich einen 15 Liter Kanister, der in Foxys Seitenbox passt. Auf dem Weg weiter in den Süden hielten wir immer wieder nach Werkstätten Ausschau, die den Tank so modifizieren konnten, wie Dylan sich dies ausgedacht hatte. Wir stoppten in unzähligen „ferreterías“ – Eisenwarenhandlungen – und kauften weitere Teile dazu. Wir fanden überall helfende Menschen, die, wenn sie nicht hatten was wir suchten, einen Plan zeichneten, damit wir im nächsten Dorf weiter kamen mit unserem Heisswasser-Projekt. Schliesslich fanden wir sogar eine Schlosserei die Alu verarbeitet und innerhalb eines halben Tages zwei Röhren in den Tank einschweisste, damit diese fortan als Heizröhren dienen.
Foxy war, als wir in kauften, ein ganz normaler Passagier-Bus. Mittlerweile hat Dylan, ich nenne ihn bereits Mc Gyver, aus Foxy ein kleines Universum gebaut. Wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Unter dem Bett sind 600 Liter Stauraum für Kleider, Küche und Arbeitsequipment, wir haben einen Kühlschrank, einen Backofen und mehr als 50 Liter Wasser. Seit neustem eben auch Heisswasser. Gestern hat Dylan die Röhren, die nun links und rechts aus dem Tank schauen, mit dem Kühlwassersystem von Foxy verbunden und den Tank eingebaut. Dann haben wir eine Testfahrt gemacht. 16 Kilometer reichen aus, damit das Wasser so heiss wird, um angenehm duschen zu können. Dazu spannen wir hinter Foxy unser (natürlich ebenfalls selbstgebautes) Zelt um die Heckklappe, stecken die kleine Pumpe, die mit der Kraft der Autobatterie Wasser durch den Duschkopf pumpt, in den Heisswassertank und voilà, schon ist der Zauber vollbracht. Heisses Wasser! Wir freuen uns darüber wie kleine Kinder über Geburtstagsgeschenke. Oder wie Dylan es heute Morgen beim Frühstück ausdrückte: „Wir haben vieles aufgegeben, aber es misst sich nicht mit dem Glück hier in der Sonne zu sitzen und dem Vogelgezwitscher zu lauschen.“