Jeden Tag leben!

Vor drei Monaten knallte unser Leben mit hunder Sachen auf Dasjenige eines Selbstmörders. Für uns ist der Tag damals auf der Autobahn in Deutschland zum Anlass geworden jeden Tag noch intensiver zu leben. Denn wir haben nur das Hier und Jetzt.

Bildschirmfoto 2017-04-19 um 22.17.04

„Oh Scheisse!“, ist alles was Dylan sagen kann. Wie ich aufblicke sehe ich nur noch ein Auto seitwärts auf uns zu fliegen. Ein unglaublich lautes Krachen folgt und dann das pure Chaos. Im Kopf und auf der Strasse.

Wie durch ein Wunder können wir beide praktisch unverletzt aussteigen, ich kann zwar mein rechts Bein nicht belasten, aber egal ­ wir sind am Leben! Weiter vorne beginnt ein total zerquetschtes Auto zu qualmen. Dylan rennt hin und zieht die Beifahrerin heraus. Ich atme schwer, sitze auf der Leitplanke und versuche zu verstehen was passiert ist. Menschen kommen und helfen. Was ist passiert, fragen sie? Wo ist ihr Beifahrer? Wie geht es Ihnen?
Die Autobahn sieht aus wie ein Trümmerfeld, hinter uns liegt das Auto, welches auf uns zugeflogen kam, in tausend Stücke zerteilt. Was ist passiert? Ich weiss es nicht.

Das Leben leben
Sieben Stunden später steht Dylan vor knapp 200 Menschen und hält seinen Vortrag. Die Jeans hat Blutflecken und das Publikum, welches vom „Horrorunfall“ auf der A4 kurz vor Aachen (Deutschland) aus den Nachrichten gehört hat, ist sichtlich betroffen. Als Dylan zum Schluss des Vortrages davon erzählt wie wichtig es ist an seine Träume, an sich selbst und an seine Fähigkeiten zu glauben und im Leben zu tun was einem glücklich macht, werden uns zwei Dinge so richtig bewusst: Wir könnten tot sein. Aber wir wären von der Welt gegangen mit dem Wissen, dass wir unser Leben so leben, wie wir es lieben. Genau deshalb war es Dylan so wichtig den Vortrag trotz den unglaublichen Umständen zu halten, obwohl die Organisatoren den Event absagen wollten. „Ich will und ich kann! Es ist mir seit heute noch viel wichtiger die Menschen dazu zu inspirieren ihre Träume zu leben!“
Ja, wir haben keine Zeit zu warten auf den Richtigen Zeitpunkt. Daran mögen wir in Normalfall nicht denken, denn wir wollen alle möglichst lange leben. Aber was bringt es uns ein Leben lang wie blöd zu schuften und dann kaum in Pension, an einem Herzinfarkt zu sterben, jetzt wo wir endlich Zeit für uns hätten? Was hilft es uns Geld zu sparen für später, wenn wir plötzlich mit 34 Jahren todkrank sind? Was bringt es Probleme ungelöst zu lassen, weil gerade nicht der richtige Zeitpunkt ist sie anzugehen, wenn wir eines schönen Tages plötzlich auf der Autobahn von einem Irren über den Haufen gefahren werden und keine Zeit mehr haben Dinge zu ändern?
Nehmt Euch jetzt Zeit für Eure Träume und Pläne! Arbeitet an einem Ort wo ihr täglich mit Spass hingeht und falls dies nicht der Fall ist ändert etwas. Das Leben ist zu kurz, um unglücklich zu sein und Dinge nach hinten zu verschieben.

Plötzlich vor der Mordkommission
Natürlich hatten wir Angst unsere geregelten Jobs und damit das geregelte Einkommen aufzugeben, natürlich hatten wir Bammel davor wie es sein wird ohne Wohnung zu leben. Aber wir taten alles mit unserem Herzen und es kam gut. Was nicht heisst, dass es immer einfach ist. Derzeit ist unser Hab und Gut überall im Haus meiner Eltern verstreut, wir mussten innerhalb weniger Tage einen neuen Bus kaufen und Dylan verbringt wiederum Stunden mit dem Umbau. Geld von der Seite des Schädigers werden wir noch lange nicht sehen. Denn nach dem Unfall sassen wir plötzlich vor der Mordkommission. Ein Falschfahrer, der sich das Leben nehmen wollte, war auf der Autobahn voll Gas in den Gegenverkehr gefahren. Zwei Menschen verloren so auf tragische Weise ihr Leben, während der Selbstmörder ironischerweise noch lebt und sich so zum Mörder machte. Da er sein Auto als „Waffe“ eingesetzt hat, ist seine Versicherung im Recht nicht zu bezahlen. Irgendwann, so unsere Anwältin, werden wir Geld von der Unfallopferhilfe sehen. Aber dies wird dauern.
Sind wir wütend auf den Menschen? Sind wir unglücklich darüber was uns passiert ist? Nein, wir sind schockiert und aufgerüttelt. Zutiefst betroffen, dass jemand sterben musste an jenem Tag, an jenem Ort. Aber, wir schätzen seit dem Unfall jeden Tag viel intensiver als zuvor. Unser Bus und zu Hause mussten wir innerhalb von zwei Tagen einfach ausräumen und zurücklassen, aber er ist ersetzbar. Wir haben vielen mühseligen Papierkram zu erledigen und ich habe immer noch Schmerzen in meinem Knie, während Dylan erneut Tage mit dem Umbau des neuen Busses verbringt. Aber anstatt uns darüber zu beklagen, freuen wir uns darüber, dass wir gemeinsam hier sind, um all dies überhaupt zu tun.
Foxy, unser ehemaliges zu Hause, hat uns und vielleicht anderen das Leben gerettet. Wären nicht wir mit dem so stark gebauten Auto in dem Moment da gewesen wo wir waren als der Unfall passierte, was dann? Ein kleinere PKW wäre unter dem Gewicht des heranfliegenden Autos zerborsten, es könnten mehr Menschen tot sein. Zudem hat Foxy den Wahnsinnigen von der Strasse gefegt und dafür gesorgt, dass nicht noch mehr Menschen hinter uns zu Schaden kamen. So gesehen sind wir sogar dankbar dafür, dass wir in der Situation waren und nicht jemand anderes, mit einem anderen Auto.

Schicksalsschläge werden uns immer wieder vor die Füsse geworfen, was uns dabei bleibt, ist die Wahl der Perspektive. Es wird alles gut, ist unser Lebensmotto und es ist für uns nicht nur eine Floskel. Wir glauben daran und so arbeiten wir mit Freude an Foxy dem Zweiten. Dabei erfreuen wir uns über das, wenn auch ungewollte, Upgrade. Schliesslich sind es die positiven Gedanken, die uns Energie und Kraft geben. Wir haben jetzt ein Hochdach, eine Standheizung und einen halben Meter mehr Platz als zuvor. Zudem: Wir sind am Leben! Alles andere ist zweitrangig.
Es ist bereits alles gut! Sehr gut sogar.

 

Für mehr Infos: www.ride2xplore.com

Von kurzen und guten Nächten

13923403_10154286608750767_7258674952253852973_o

Die Strassen winden sich den Fjorden entlang, scheinen sich mit unsichtbaren Händen an die Felsen zu klammern, führen uns über Pässe, über Brücken und durch Tunnel, die so steil hinunter in die Erde führen, als würden wir direkt zum Teufel fahren. Bald aber geht es auf der anderen Seite wieder hoch. Unser GPS zeigt an, dass wir durchs Nordeuropäische Meer gefahren sind. Hätten wir das kleine Gerät nicht, würden wir hier draussen, am nordwestlichen Ende Europas, die Orientierung vollends verlieren. Meer und Berge spielen mit uns und bringen uns mit ihrer Schönheit um den Verstand. Das Wasser ist so klar, dass wir von der Brücke aus den Quallen zusehen können, die mit der Strömung der Gezeiten zurück in die Weite des Ozeans schwimmen. Diese Farben, diese Wolken, diese Intensität! Als wäre die Schönheit nicht bereits überwältigend genug, spiegelt sich das gesamte Wunderbild im Wasser wider. Ist es ein See? Oder das Meer? Oft wissen wir es nicht. Der Kilometerzähler steht bei 394’735. Wir sind auf den Lofoten angekommen. Wir hatten spontan entschieden die fünf Wochen Sommerpause zu nutzen, um bis zum Nordkap hoch zu fahren. Aber der Eintrittspreis von über 50 Euro für zwei Personen war für uns Indikator dafür, dass es dort zu viele Touristen haben wird. Nun geniessen wir die raue Schönheit Norwegens auf den Lofoten, wo man, wie bereits in Schweden, den Bus überall parken kann, ohne jemanden zu störten. Für uns das Paradies! Jeden Abend geniessen wir ein neues, umwerfendes Panorama vor unserem Schlafzimmerfenster. Guten Schlaf zu finden ist aber trotzdem nicht ganz einfach: Die Sonne geht kurz vor Mitternacht unter und um drei Uhr in der Frühe wieder auf. Fast jeden Morgen weckt uns das helle Licht um vier Uhr auf und wir haben das Gefühl es sei bestimmt schon acht, neun Uhr.

foxy_boat

Einen geruhsamen Platz für die Nacht zu finden ist nicht immer so einfach wie hier in Skandinavien. In England hat es so viele Zäune und Mauern, dass wir auch schon mal bei einem Bauern fragen mussten, ob wir auf seinem Feld stehen dürften. Meist schauen wir via dem Satellitenbild von Googlemaps nach, wo es viel Natur und wenig Häuser gibt. Wichtigste Gebote dabei sind: niemanden stören und ein sicheres Gefühl haben. Dylans Intuition für einen Stellplatz hat sich auf seiner dreijährigen Motorradreise geschärft. Haben wir ein ungutes Gefühl geht’s weiter. Raststätten sind nur Notlösungen, wenn wir zu einem Termin unterwegs sind und schnell vorwärtskommen müssen zum Beispiel. Campingplätze benutzen wir, wo das wilde Campieren verboten ist. Und manchmal können wir unseren Foxy auch vor dem Haus von Freunden parken. So wie vor zwei Wochen in Östersund, Schweden. Als ich morgens um 6.45 die hintere Türe zuzog erklang sofort das metallische Klack-klack der Zentralverriegelung. Ein schreckliches Geräusch so früh morgens, vor allem als ich Sekunden später realisierte, dass der Schlüssel im Bus und Dylan bereits beim Frühstück ist. Sein Kaffee wurde kalt während wir die nächsten vier Stunden damit zubrachten ins eigenes Auto einzubrechen ohne einen allzu grossen Schaden anzurichten. Wie dankbar waren wir, dass dies vor der gut ausgerüsteten Werkstatt unserer Freunde passiert war und nicht zwei Tage zuvor, als wir mitten im schwedischen Wald alleine unter Moskitos und Elchen waren.

Let the sun shine

dylgoodnight.jpg

Modern day nomads – we feel at home anywhere, work anywhere, live anywhere and we choose to be where we want to be. A dream that we always pursued and it’s finally here for us to enjoy. Nevertheless, it’s not always easy or perfect. Where we are right now in the UK, the weather has been too wet and cold for my liking and in the last few days it rained only just once and we had no other option but to gaze at the landscape from the inside… as the water drops ran down the windscreen and the willows showed their grace and flexibility in the wind accompanied by the constant rustle. At first you enjoy the rain while you enjoy it from the inside but later it becomes a annoyance and then it turns into a plague. However the warm coffee mugs and pots and pots of tea kept our sanity and then the patches of blue appeared and they grew ever larger. As the sun came out, we too got to enjoy the outdoors but still, there were moments when the sun did nothing to contribute to the summer and we kept our woollen caps and jackets on. But when we park our rolling home somewhere, all is forgotten. Here we literally counted the sheep till we fell asleep. I quite like the Welsh optimism as they say “the sun will shine tomorrow”. It always does! You just have to go find it!


***************************
Modernes Nomadentum – überall zu Hause zu sein, zu arbeiten und zu leben, wo es gerade passt. Davon haben wir geträumt. Jetzt wo wir unseren Traum leben, ist natürlich nicht alles immer perfekt. Vor allem hier oben auf den Britischen Inseln ist es gerade noch ziemlich nass und kalt. Die letzten paar Tage regnete es nur einmal und uns blieb nichts anders übrig als zuzuschauen, wie sich die Wasserperlen ihren Weg der Scheibe entlang suchten, wie die Tannen im Wind ihre Rücken durchbogen, dazu ein ewiges Prasseln. Zu Beginn ein Geräusch der Geborgenheit, aber irgendwann hat man auch genügend davon. Wir sassen also ein paar Tage hinter Scheibenwischern und heissen Kaffeetassen. Plötzlich wurden die kleinen blauen Flecken am Himmel grösser und grösser, die Sonne kam raus und wir mit ihr. Und dann merkten wir, dass wir trotz Sommer und Sonnenschein noch eine Wollmütze benötigen.
Aber wenn wir unser rollendes Häuschen parken, uns unter den Decken verkriechen und die Aussicht geniessen, dann ist alles vergessen. Hier können wir zum Glück wortwörtlich Schafe zählen, falls wir vor lauter Schönheit nicht schlafen können.
Die Waliser sind übrigens sehr sympathische Optimisten. „Morgen scheint die Sonne“, ist der meist gehörte Satz in Wales. Für uns scheint sie auch wenn es regnet, du musst nur wissen wo suchen.

Dark red

hands_powder_india

You open the door of the airport cab and boom! The heat, the screaming voices, the chaotic horns, the smile of the vendor already asking you if you buy one of his wonderful hand drums even before you set one foot onto the ground. All this and much more is right there, the first second you arrive in India and you know exactly why you are back. Because it is what it is. And it is a lot. India is hundreds of thousands of things. There are smiles and stares. There are bustling and shouting human beings running through narrow streets, where cows stand in grace and silence, simply taking their time to ruminate. They are holi but what’s in their stomach is most probably evil. Beside the trucks blowing their horns, there is the frail tintinnabulation of a prayer bell. When you step out of the tempel your nose is filled with the fragrances of flowers and incense sticks and just one second later the stinky garbage at the roadside is there to hunt the fragrances away. The chai is as sweet as some laws are sour.
Everything seems to have two extremes but the colors. Bright colors everywhere. Shining happy fabrics. Blue houses. Red Hair. Pink flowers. Yellow bangles. Purple Saris. Orange turbans. Strong. Dark. Firm. Solid. Colors. Everywhere.
If ever one has to find a transcription for India, a little jar of dark red powder would probably do best. Color. Passion. Sheer joy of life, tousend of little particles jammed together, fighting their way up to the top, waiting for the right moment to jump out – pounce at a the arriving ones and then stick with them forever. India gets into your clothes, into your hair and skin and somehow you can’t wash it off anymore. Some parts will always be there with you. For good.

Doors – openings to a new world

Doors - opening up to a new world

I remember it well, maybe too well. This one phone conversation with a person then very close to me. The conversation took place on a secret mobile phone and the number changed every few weeks. Whenever the SIM card had been discovered by the guards it took a few days until a new card was available. I called someone who was a new inmate in an Indian prison. The phone was the door for the people in prison to the outside world and for me the door into the absurd world of this spares cell, where 25 men were kept in a room together, where they ate pumpkin curry each day and had nothing to do all day long. When I called I never knew who would pick up the phone, because the men shared a phone. Was it a killer or an innocent person talking to me, before passing the phone to the one I wanted to talk to? I never asked about the life of these other people, did not open these doors to these lives – probably in self-defense. I do not know exactly.

“Wherever you are right now, is the door open? Can you get out? ” During this exact conversation he repeated these phrases every few minutes. Eventually, I could not listen to it anymore and hung up with an excuse. “Wherever you are right now, is the door open? Can you get out?” It tore my heart, because him being locked up not only kept us away from each other, far more it also kept him away from himself. The constantly repeated questions showed how he broke behind this thick door which was locked several times. A door neither of us was able to open. It stayed closed. For another three years and finally also made me close a door that I had opened two years earlier.

Since the day I had had this conversation I like open doors much more – they symbolize a new beginning, a step into something new and unknown. Open doors let the sun in and people out.

The door on the picture belongs to the Nyingma Monastery Namdroling, the Buddhist monastery in Bylakuppe, Karnataka, India. For refugees from Tibet it is a gateway back to their homeland, while the borders with Tibet will most probably stay closed for another countless years.
While some doors close or stay closed, luckily others are opening up. We have to be willing to see them and pass through.
So did I and hopefully so did he.

In response to The Daily Post’s weekly photo challenge: “Door.”

NB: My English is in progress –  if you see mistakes feel free to send me a note. Thanks!